Mauser ist beendet – Sterntaucher wieder in Bewegung

Nachdem sich auf der Tacking-Karte der besenderten Sterntauchern ab Mitte Oktober nicht viel tat, wird es nun wieder spannend. Sterntaucher mausern ihre Schwungfedern zwischen Oktober und Dezember und sind in dieser Zeit eine Weile flugunfähig. Vier der sibirischen Sterntaucher haben diese Zeit der Mauser im Golf von Riga verbracht, ein sibirischer Vogel verbrachte diese Zeit vor der niederländischen Küste und der westgrönländische Sterntaucher mauserte vor der schottischen Küste. Mittlerweile ist der Niederländer an die britische Ostküste geflogen und auch die Mauservögel aus dem Golf von Riga haben ihr Mausergebiet weitgehend verlassen. Einer ist mittlerweile in die Nähe des Fangortes westlich Sylt in die Nordsee zurückgekehrt.

Erster Sterntaucher zurück in Deutscher Bucht

Nachdem der Sterntaucher mit der Sendernummer #40 den Sommer im Ob-Delta in Sibirien verbracht hat, ist er nun nach einigen Zwischenrast-Stationen (u.a. Kolgujew, Weißes Meer, Finnischer Meerbusen) in der Deutschen Bucht zurück. Er hält sich aktuell nördlich von Schiermonnigkoog in niederländischen Gewässern auf. Damit ist er der erste unserer besenderten Tiere, der in die Deutsche Bucht zurückgekehrt ist. Seit seiner Besenderung im März hat der Vogel damit bereits über 9000km zurückgelegt.

Sterntaucher verlassen Brutgebiete

Die besenderten Sterntaucher – soweit deren Transmitter noch aktiv sind – haben sich mittlerweile fast alle auf den Weg gemacht und haben ihre Brut- bzw. Sommer-Aufenthaltsgebiete verlassen. Es wird spannend zu sehen, ob und wann sie in ihre Überwinterungsgebiete der deutschen Bucht zurückkehren, wo sie im vergangenen Frühjahr gefangen wurden und inwieweit sie dort die Gebiete mit Offshore-Windparks nutzen bzw. meiden.

Geschlechter der besenderten Sterntaucher mit Hilfe von genetischen Analysen bestimmt – mehr Weibchen als Männchen

Geschlechtsbestimmungen bei Seetauchern anhand äußerlicher Merkmale ist schwierig, daher wurden während der Besenderung Blutproben genommen, auf FTA Karten konserviert und jetzt analysiert. Mit Hilfe von DNA Extraktion, PCR und Gel-Elektrophorese konnten die Geschlechter der im März und April besenderten Sterntaucher bestimmt werden. Es zeigte sich, dass überwiegend weibliche Tieren besendert wurden. Informationen zu den einzelnen Tieren finden sich nun in der Infobox.

Erste Sterntaucher Besenderungen erfolgreich

In den Monaten März und April 2015 wurden erfolgreich die ersten Seetaucher – Sterntaucher (Gavia stellata) – in der der Nordsee nördlich von Helgoland gefangen und besendert. Ihre Bewegungen im Überwinterungsgebiet und ihre Wanderungen zu den Brutgebieten können anhand der über Satellit übertragenen Positionen nun ein Jahr lang dokumentiert werden.

Seit Ende April sind die ersten besenderten Seetaucher auf dem Weg in ihre Brutgebiete, bisher halten sich drei in Norwegen, einer in Sibirien, drei auf der Barentssee, zwei auf dem Weißen Meer, einer an der Küste vor Island auf und zwei Sterntaucher befinden sich noch auf der Nordsee. Alle Sterntaucher, welche nach Nordosten Richtung Russland fliegen, haben längere Unterbrechungen auf der Ostsee genutzt. Ein Sterntaucher scheint in seinem Brutgebiet im Westsibirischen Tiefland östlich des Urals angekommen zu sein

Verbundpartner

Projektlaufzeit: 01.11.2014 bis  30.04.2018

Projektpartner: BioConsult SH GmbH & Co. KG. Husum, Justus Liebig Universität Gießen und DHI

Das Projekt wird als Verbundvorhaben gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vertreten durch den Projektträger Jülich (PTJ).

Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Verbundvorhaben zwischen der Arbeitsgruppe Verhaltensökologie und Ökophysiologie der Tiere der Justus Liebig Universität Gießen (im Folgenden JLU genannt; Prof. Dr. Petra Quillfeldt) und BioConsult SH (Projektleitung: Dr. Georg Nehls). Das DHI ist als Kooperationspartner in das Vorhaben involviert (Hørsholm, Dänemark; Dr. Ramūnas Žydelis) sowie als Kooperationspartner des DHI die Universität Kopenhagen (Dr. Kasper Thorup).

Eine enge Zusammenarbeit findet auch mit dem Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum (FTZ, Arbeitsgruppe Seevogelökologie, Prof. Dr. Stefan Garthe) statt. Hier bietet sich über das aktuell vom FTZ geplante Vorhaben HELBIRD eine enge Kooperation zwischen den Projektpartnern und dem FTZ an.

Wildtierarzt Dr. Julius Morkūnas wird vom Zeitpunkt des Fangens bis zum Freilassen hauptverantwortlich für das Handling der Seetaucher sein. Julius Morkūnas ist ein erfahrener und lizensierter Wildtierarzt, der eine spezielle Weiterbildung zu Implantation von Satellitensendern am USGS-Patuxent Wildlife Research Center (Maryland, USA) absolviert hat und bereits mehrfach in Projekten in den USA und Litauen erfolgreich Seevögel gefangen und besendert hat.

BioConsult SH

Das Tätigkeitsfeld von BioConsult SH wird derzeit von angewandter Umweltforschung und der Erstellung von Umweltverträglichkeitsstudien und FFH-Verträglichkeitsprüfungen und den dafür zugrunde liegenden Fachgutachten geprägt. BioConsult SH hat umfangreiche Erfahrung in allen Bereichen ökologischer Umweltforschung im marinen Bereich und hat zahlreiche Projekte zur Erhebung biologischer Grundlagendaten bis hin zur Entwicklung von Schutzkonzepten durchgeführt. BioConsult SH hat in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland wichtige Methoden zur Offshore- Forschung weiterentwickelt und standardisiert und an der Entwicklung und Fortschreibung des Standarduntersuchungskonzepts des BSH mitgearbeitet. Das Team verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Telemetrie-Studien an Meeresenten und anderen Arten und verfügt über die Sachkenntnis und Erfahrung im Fang und der Handhabung der Vögel für Beringung und andere Markierungstechniken. Gemeinsam mit dem DHI hat BioConsult SH bereits innerhalb der Untersuchungen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie zur Festen Fehmarnbelt-Querung Telemetrie-Studien an Meeresenten durchgeführt.

Justus Liebig Universität Gießen – Arbeitsgruppe Verhaltensökologie und Ökophysiologie der Tiere

Die Arbeitsgruppe verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung und Auswertung von Vogeluntersuchungen im Rahmen von Forschungsprojekten zur Nahrungsökologie, Brutbiologie und zum Verhalten insbesondere von Nicht-Singvögeln (Seevögel, Wasservögel, Sittiche). Das Projekt-Team verfügt über ein fundiertes Wissen über die Biologie der Vögel und marine Ökologie, und war beteiligt an der Ausweisung von Important Bird Areas (Falkland-Inseln und Argentinien). Es bestehen relevante Erfahrungen mit der Erfassung von Migrationsrouten pelagischer Seevögel mit Hilfe von Geolokatoren, in GPS-Logger-Studien an verschiedenen Tauchvogelarten (Pinguine, Kormorane) und Küstenvogelarten (Möwen), in der Datenauswertung von Positions- und Tauch-Daten unterschiedlichster Formate, räumliche Modellierungen in unterschiedlicher räumlicher Auflösung für verschiedene Vogelarten in verschiedenen marinen Ökosystemen, Habitatmodellierung und Publikation in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

DHI

DHI ist als Forschungs- und Consulting-Firma spezialisiert auf die Bearbeitung von hydrographischen Fragestellungen. DHI ist weltweit für seine Expertise in der Berechnung von physikalischen Strömungsmodellen bekannt und besitzt überdies weitreichende Erfahrung in der Analyse von Umwelt- und Ökosystem-Daten.

Im Hinblick auf das DIVER-Projekt verfügen die beteiligten Mitarbeiter von DHI über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Telemetrie-Studien, dem Analysieren von Tracking-Daten, sowie im Erstellen von Habitatmodellen und anderen statistischen Analysen.

Kontakt
Monika Dorsch: m -dot- dorsch -at- bioconsult-sh -dot- de
Birgit Kleinschmidt: b -dot- kleinschmidt -at- bioconsult-sh -dot- de

Feldarbeit

Durchführung der Feldarbeit

Um die Projektziele erreichen zu können, verfolgt das Vorhaben DIVER den Ansatz, Seetaucher in ihrem Hauptkonzentrationsgebiet in der AWZ der deutschen Nordsee zu fangen und zu besendern, um die Bewegungen dieser Vögel im Überwinterungsgebiet und während Zug- und Brutzeiten verfolgen zu können.

Der Fang erfolgt während der Monate Januar bis April auf See anhand einer bewährten Methode von einem Schlauchboot aus mit Kescher und Blendlaterne. Die Fangeinsätze werden in dunklen Nächten während der Neumondphase durchgeführt. Dazu werden die Fangcrew sowie das Schlauchboot von einem großen Schiff ins Fanggebiet gebracht und dort zu Wasser gelassen. Während der Fangeinsätze bleibt das große Schiff in einem Abstand von ungefähr zwei Seemeilen in der Nähe des Schlauchbootes, um die Sicherheit der Einsätze zu gewährleisten, jedoch die Seetaucher nicht zu vertreiben.

Vorbereitungen zum Seetaucherfang

Vorbereitungen zum Seetaucherfang

Nach erfolgreichem Fang werden die Tiere zum großen Schiff gebracht, dort vom Tierarzt entgegen genommen und in gut belüfteten Tiertransportboxen an einem ruhigen Ort gehältert. Die Implantation der Sender erfolgt nach Protokoll der am USGS Patuxent-Wildlife Research Center (Maryland, USA) erprobten Methodik und wird entsprechend von Julius Morkūnas (DVM Universität Klaipeda, Litauen), einem fachkundigen, lizensierten Wildtierarzt durchgeführt. Die Zeit der Hälterung der gefangenen Seetaucher, also zwischen Fang und Freilassen, beträgt 7 bis maximal 24 Stunden und die Seetaucher werden so nah wie möglich an der jeweiligen Fangstelle wieder ausgesetzt. Die ersten Fangeinsätze im Frühjahr 2015 zeigten, dass sich die Methode ideal für den Fang von Seetauchern eignet.

Sterntaucher während der Mauser ausgerüstet mit Satellitensender und Ring